Oftmals geben wir anderen die Schuld, wenn etwas im Leben – zum Beispiel an der Arbeit oder in der Beziehung – nicht so läuft, wie wir es gerne hätten. Dass es sich jedoch durchaus lohnt, Themen auch mit dem Blick auf die eigene Beteiligung zu hinterfragen, lehrt Coach Ivonne Horn aus Ranstadt-Dauernheim. Wir trafen die ehemalige Finanzbeamtin und erfuhren viel auch über ihre ganz persönliche Geschichte.
Vor acht Jahren fragt sich Ivonne Horn nach einer beendeten Beziehung zum ersten Mal: Was hat das eigentlich mit mir zu tun? Warum ist es nicht gelungen, diese Beziehung zu halten? Ivonne stürzt in eine Krise, macht eine Therapie, die jedoch keine Lösung für sie ist.
„Doch das Schicksal -schickte mir Unterstützung“, erklärt sie uns. „Im Januar 2021 brach ich mir den Knöchel. Für -andere wäre das bestimmt ein Unglück gewesen, doch für mich war es ein Geschenk des Himmels. Ich hatte so nämlich viel Zeit, mich mit Persönlichkeitsentwicklung und Coaching-Ansätzen zu befassen. Und was soll ich sagen: Das Ganze hat mir so gutgetan, dass ich die Lehren weitergeben wollte.“
Gesagt, getan. Ivonne Horn startet ihre Ausbildung zum Coach, investiert viel in entsprechende Weiterbildungen. Und sie geht sogar noch weiter. Nach einer gewissen Zeit der Nebenberuflichkeit kündigt sie 2025 ihre sichere Festanstellung. „Über vierzig Jahre lang war ich Finanzbeamtin und zuletzt als Betriebsprüferin tätig. Ich habe den Beruf gerne ausgeübt, doch die neue Aufgabe erfüllte mich weit mehr. Mit Ende 50 nochmal etwas komplett Neues anzufangen, ist Teil meiner Persönlichkeitsentwicklung.“
Nochmal zurück zu ihrer Urproblematik: Wie haben die neuen Erkenntnisse denn im Bezug auf ihre Beziehungen geholfen? „Oft liegt der Ursprung eines Themas in der eigenen Kindheit und so war es auch bei mir: Meiner Mutter fiel es sehr schwer, Liebe zu zeigen. Sie hatte viel durchgemacht und selbst kaum Zuneigung von ihren Eltern erfahren“, erklärt uns Ivonne. „Ich fühlte mich daher nicht geliebt – und das strahlte ich auch aus. Ich war superschüchtern, Anerkennung holte ich mir über Leistung in der Schule und an der Arbeit. Durch tiefgehende Prozessarbeit konnte ich für mich die Beziehung zu meiner Mutter heilen, sodass ich in vollkommenem Frieden damit bin. Auch meine beiden Töchter profitieren von meiner Entwicklung.“
Schlechte Erfahrungen in der Kindheit und das Übernehmen von Verhaltensmustern und Glaubenssätzen kommen generell nicht selten vor. Daher hat sich Ivonne auf das Thema ‚Heilung von Kindheitswunden‘ spezialisiert. Wie genau geht man hier und bei anderen Herausforderungen innerhalb des Coachings vor? „Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf dem Drama, wir schauen immer auf das Ziel. Wo will die Person hin, wie will sie sich fühlen? Denn es geht immer um ein Gefühl. Hierbei spielt die Kommunikation über das Unterbewusstsein eine große -Rolle. Per Kinesiologie kann man durch Muskelreaktionen vorhandene Emotionen erkennen. Das Verfahren hilft auch dabei, den richtigen Prozess für die Lösung einer Herausforderung zu finden.“
Ivonne Horn hilft ihren Coaches dabei, Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Intensive Gefühle wie Traurigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Wut werden plötzlich nachvollziehbar und können an der Wurzel aufgelöst werden. Die einzelnen Termine finden überwiegend online statt, nach Wunsch jedoch auch in Präsenz. „Manchmal ist ein Problem schon nach einem Prozess aufgelöst, manchmal dauert es länger. In der Regel begleite ich sechs bis zwölf Monate.“ Auch die Aufstellung zur Klärung von Beziehungen ist eine von Ivonne genutzte Methode.
Ganz aktuell plant Ivonne Horn noch ein ganz neues Angebot: Im Herbst wird sie gemeinsam mit einer Kollegin Retreats auf Zypern veranstalten. „Selbsterfahrung unter der Sonne für Körper, Geist und Seele. Jeweils eine Woche lang, maximal zehn Personen pro Gruppe. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit solchen Reisen gemacht, gerade für Singles oder Alleinreisende sind sie sehr interessant.“
Perspektivisch möchte sie ergänzend auch im Finanzbereich beraten: „Ich war nicht umsonst lange Finanzbeamtin. Auch beim Umgang mit Geld liegen meistens tiefgehende Glaubenssätze aus der Kindheit zugrunde.“
Ivonne Horn selbst hat in ihrem Werdegang eine Persönlichkeitsentwicklung par excellence vollzogen. Beim Training weiterer Coaches ist sie zusätzlich als Betreuerin aktiv und hat sich auch zur Speakerin ausbilden lassen. „Und das, obwohl ich früher große Angst hatte, vor Menschen zu sprechen“, sagt uns Ivonne zum Abschluss. „Man kann immer an sich arbeiten und sich ändern, wenn man es möchte. Jeder kann bewusst und glücklich leben. Und wer mit sich selbst in Frieden lebt, der lebt auch in Frieden mit anderen. Hierbei möchte ich helfen, und zwar generell, so bin ich ehrenamtlich auch als Schiedsperson tätig und konnte schon so manchen Nachbarschaftsstreit schlichten.“